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Engelstrompete

Engelstrompete

Der Missbrauch der sogenannten Nachtschattengewächse hat stark zugenommen. Die Pflanzen werden frisch gesammelt und dann getrocknet, in der Apotheke erworben oder übers Internet bestellt.

"Dramatischer Zwischenfall beim Schulsportfest in Oberbayern: Engelstrompete gekaut - 9 Schüler in Klinik", so die BILD-Zeitung Mitte Juli 2000. In der Tat stehen Nachtschattengewächse wie Stechapfel, Tollkirsche, Bilsenkraut und Alraune hoch im Kurs von Jugendlichen. Die Naturdrogen sind leicht zugänglich und unterstehen nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Insbesondere die Vergiftungsfälle mit der Engelstrompete haben in der letzten Zeit drastisch zugenommen. Im letzen Jahr musste z. B. das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen 77 Anfragen beantworten. Die Pflanze mit den imposanten Blüten hat sich einen festen Platz in Parks und Gärten erobert. Die Besitzer wissen meist nichts von ihrem "Nebenjob" als Dealer.

Anwendungsformen

Die wichtigsten Gattungen der Nachtschattengewächse, die man als Rauschdrogen verwendet, sind:

  1. Stechapfel (Datura stramonium)
  2. Tollkirsche (Atropa belladona)
  3. Bilsenkraut (Hyoscamus niger)
  4. Alraune (Mandragora)
  5. Engelstrompete/Trompetenbaum (Datura suaveolens)

Die Pflanzen werden gegessen, als Tee aufgebrüht oder geraucht. Die Anwender verwenden entweder die frischen oder die getrockneten Pflanzen(teile).

Die psychoaktiven Substanzen der genannten Pflanzen sind in erster Linie das Atropin, Scopolamin und Hyoscyamin.

Die Tollkirsche enthält hauptsächlich Atropin; Stechapfel, Bilsenkraut und Alraune enthalten in erster Linie das psychotrop wirksame Scopolamin.

Bei allen Nachtschattengewächsen dominieren Alkaloide, die als Parasympatholytika wirken.

Wirkungsweise

Die drei Inhaltsstoffe der Nachtschattengewächse ergänzen sich in ihrer Wirkung.

Atropin wirkt erregend auf das Zentralnervensystem, dies äußert sich in einer allgemeinen Erregung mit motorischer Unruhe und Erhöhung der Herzfrequenz. Hinzu kommen eine Erweiterung der Pupillen und eine verminderte Speichelsekretion. Aufgrund der chemischen Verwandtschaft zum Kokain hat Atropin eine lokal betäubende Wirkung. Scopolamin wirkt im Vergleich zum Atropin mehr beruhigend und dämpfend. Es sorgt für einen Zustand der Willenlosigkeit und Apathie, ähnlich einer Hypnose. Früher wurde es als Wahrheitsdroge angewandt. Der 3. Inhaltsstoff im Alkaloidtrio ist das L-Hyoscyamin. Den Namen hat es vom Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), kommt jedoch in den meisten Nachtschattengewächsen vor. Beim Trocknen der Pflanze wandelt es sich zu Atropin um. Die Wirksamkeit des Hyoscyamins ist deutlich stärker als die des Atropins. Dies erklärt, warum die getrocknete Droge schwächer wirkt als die frische.

Bei Dosen von mehr als 1 mg Wirkstoff kommt es zu visuellen Sinnestäuschungen, die mit einem Verlust des Realitätsgefühls verbunden sind. Der Konsument ist in seinem Rausch nicht klar, die dämpfende Wirkkomponente überwiegt. Der Berauschte fällt in einen deliriumähnlichen Schlaf und erinnert sich später kaum an die Rauscherlebnisse.

Tollkirsche und andere verdrängen den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin von seinen Bindungsstellen im parasympathischen Nervensystems. Wird die Acetylcholinwirkung aufgehoben, nimmt der Muskeltonus nimmt ab, die Herzfrequenz steigt und die Drüsen drosseln ihre Sekretion.

Wie wird der Rauschzustand empfunden?

Die folgende historisch-überlieferte Schilderung eines Rausches beschreibt die Wirkung sehr treffend. Die Salben wurden früher als "Flug-Salben" bezeichnet. Im Gegensatz zu anderen Halluzinogenen wird der Trip als real empfunden. Darin besteht auch eine weitere Gefahr beim Konsum der Drogen. So kann es passieren, dass sich ein Anwender, in der Annahme fliegen zu können, aus dem Fenster stürzt.

Zitat

»Es vergingen nun keine fünf Minuten, bis mein Herz wie rasend zu schlagen anfing und mich ein starkes Schwindelgefühl überkam...

mein Gesicht war vollkommen entstellt; die Pupillen fast so groß wie die ganzen Augen, die Lippen bläulich und dick geschwollen und das ganze Gesicht kreideweiß... Plötzlich begannen die Wände und die Zimmerdecke sich wellenförmig zu bewegen und mit lautem Knall zusammenzuschlagen...

Aus dem Dunkel strebten mir Gesichter zu...

Langsam wurde es vollkommen dunkel um mich, und ich schwebte mit großer Geschwindigkeit aufwärts. Es wurde wieder hell, und durch einen rosa Schleier erkannte ich verschwommen, dass ich über der Stadt schwebte. Die Gestalten, die mich schon im Zimmer bedrückt hatten, begleiteten mich auch auf diesem Flug durch die Wolken.. .«

Im Rausch treten folgende Erlebnisse auf:

  1. Halluzinationen
  2. Unruhe
  3. Rededrang
  4. Weinkrämpfe
  5. sexuelle Erregtheit
  6. starkes Traumerleben (Flugeindrücke)

Symptome und Gefahren

Vergiftungen durch Nachtschattengewächse sind durch folgende Symptome gekennzeichnet:

  1. Heiße Haut
  2. Maximal geweitete Pupillen (Mydriasis)
  3. Räumliche und zeitliche Desorientierung
  4. Angst und Stimmungsschwankungen
  5. Sehstörungen/Bindehautreizung
  6. Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz
  7. Halluzinationen
  8. Gefährdung bei der Teilnahme am Straßenverkehr

Die Hauptgefahr für den Anwender ist das Auftreten von lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen. Das Herz schlägt so schnell, dass es nicht mehr in der Lage ist, Blut durch den Organismus zu pumpen. Bei dieser sogenannten Tachykardie oder beim noch schlimmeren Kammerflimmern, arbeitet das Herz 200 bis 300 mal in der Minute, normal sind etwa 80 Schläge pro Minute.

Da der Acetylcholin-Rezeptor in sehr vielen Organen und Organsystemen lokalisiert ist, kommt es zu einer Vielzahl weiterer Erscheinungen, die unter dem Begriff des "Anticholinergen Syndroms" zusammengefasst werden.

Wie giftig ist die Droge?

Bereits 0,2 g der Pflanzen können zu Vergiftungserscheinungen führen. Wenige Gramm der frischen oder getrockneten Pflanzen können lebensbedrohliche Zustände hervorrufen. Die Sterblichkeitsrate ist bedenklich hoch.

Erste Hilfe bei Überdosierung

Zur Basistherapie erfolgt zunächst die Verdünnung mit Wasser durch extensive Flüssigkeitszufuhr und eine anschließende Giftbindung (Adsorbtion). Von einem willkürlichen Erbrechen wird mittlerweile abgeraten. An seine Stelle ist die Giftbindung mit Kohletabletten getreten. Pro Kilogramm Körpergewicht muss der Patient dabei ca. 1 g Kohle erhalten. Bei einem 70 kg schweren Betroffenen sind das 280 Compretten! Bewährt hat sich deshalb die Gabe eines Granulates (Ultracarbon ®).

Der Körper des Patienten sollte zusätzlich mit feuchten Tüchern gekühlt werden.

Als Gegengift, das vom Arzt angewandt wird, steht Physostigmin zur Verfügung. Es verdrängt die Alkaloide von ihren Rezeptoren und wirkt u.a. dem schnellen Puls und den Erregungszuständen entgegen.

Psychische Betreuung ist wichtig!

Besonderes Augenmerk sollte der psychischen Betreuung gelten. Der Patient sollte nie unbeaufsichtigt gelassen werden. Nicht selten neigt er zu Aggressivität, weshalb auch dem Eigenschutz eine besondere Bedeutung zukommt.

Rechtliches

Atropin, Scopolamin und Hyoscyamin und deren Zubereitungen sind keine Betäubungsmittel entsprechend dem Betäubungsmittelgesetz. Sie unterliegen vielmehr dem Arzneimittelgesetz. Verstöße gegen das AMG werden in der Regel mit Bußgeldern und nur in besonders schweren Fällen strafrechtlich geahndet.

Zusammenfassung

Vergiftungen mit Nachschattengewächsen nehmen stark zu.

Zu dieser Pflanzenfamilie zählt man u.a. die Tollkirsche, das Bilsenkraut, die Alraune, den Stechapfel und den Trompetenbaum.

Die Vergiftung mit Nachtschattengewächsen ist durch vier Hauptsymptome gekennzeichnet:

  1. Rötung des Gesichtes
  2. Trockenheit der Schleimhäute
  3. Pulsbeschleunigung
  4. Erweiterung der Pupillen

Die Therapie besteht vor allem aus der Gabe von Kohletabletten und einer starken Flüssigkeitszufuhr.

Der Genuss verstößt derzeit gegen kein geltendes deutsches Betäubungsmittelrecht. Eine Ahndung nach dem Arzneimittelgesetz wäre allerdings möglich.

 


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